Heri­bert Prantl, von mir hoch­ge­schätzt, wenn er sich zu Bür­ger­rech­ten äußert, hat in sei­ner Keynote Fest­rede zum 50jährigen Beste­hen der VG Wort völ­lig dane­ben gegrif­fen. Mal wie­der wurde über »die glo­bale Ent­eig­nungs­ma­schi­ne­rie Inter­net« und »Tausch­bör­sen als Umsatz­plät­zen digi­ta­ler Pira­te­rie­ware« lamen­tiert. Natür­lich wurde aber kein Gedanke daran ver­schwen­det jen­seits von pla­ka­ti­ven Hor­ror­sze­na­rien auf­zu­zei­gen, wel­che Chan­cen sich durch gesell­schafts– und medi­en­ad­äquate neue Geschäfts­mo­delle auf Basis freier Lizen­zen rea­li­sie­ren lassen.

Natürl­lich feh­len auch immer noch Modelle, wie ich legal zu ver­nünf­ti­gen Prei­sen Medien erwer­ben kann. Aber Prantls Geze­ter, und das ande­rer, hilft nicht dabei wei­ter, die Krea­ti­v­in­dus­trie wei­ter­zu­brin­gen.

Die­ses Ver­hal­ten präge das Bewusst­sein des gesam­ten Inter­net, fand Prantl zum Thema zurück. »Es wird zu einem Raum, in dem man alles macht, was man sonst nicht macht.« Die »unend­li­che leichte Ver­füg­bar­keit« von Bits und Bytes gebe vie­len das Gefühl: »Hier ist die All­mende des 21. Jahr­hun­derts.« So wür­den »Mil­lio­nen Töne und Texte«, die urhe­ber­recht­lich geschützt seien, ohne Zah­lung von Gebüh­ren genutzt. Habe das Urhe­ber­recht frü­her eine »Mauer aus Para­gra­phen« gebil­det, wel­che die geis­tige Leis­tung der Krea­ti­ven geschützt habe, regiere nun »die glo­bale Ent­eig­nungs­ma­schi­ne­rie Inter­net« mit ihren »Tausch­bör­sen als Umsatz­plät­zen digi­ta­ler Pira­te­rie­ware« und ein »wie­der ein­ge­führ­ter Kom­mu­nis­mus«. Die Masse der Urhe­ber schaue so »mit dem Ofen­rohr ins Gebirge«, wäh­rend es bis­her nur den »Befrie­di­gern sexu­el­ler Bedürf­nisse gelun­gen« sei, einen Obo­lus zu kassieren.