Da sind mir doch ges­tern und vor­ges­tern zwei Spiegel-Artikel zum Bun­destro­ja­ner durch die Lap­pen gegangen:

Der eine beschäf­tigt sich mit den Ein­falls­to­ren für Kri­mi­nelle, die der Bun­destro­ja­ner auf den Ziel­sys­te­men weit wie Scheu­nen­tore öffnen würde. Und das in Zei­ten, in denen eher zu wenige Updates gemacht wer­den als nötig.

In dem ande­ren geht es um die tech­ni­sche Umsetz­tung des Tro­ja­ners.

Zum einen kri­ti­siert Gisela Piltz (FDP):

»Ent­we­der hat die Bun­des­re­gie­rung das Par­la­ment bewusst unvoll­stän­dig infor­miert, oder es wurde trotz Ent­wick­lungs­stopps heim­lich an der Umset­zung der Online-Durchsuchungen wei­ter­ge­ar­bei­tet.« Die FDP–Bun­des­tags­frak­tion will nun erneut einen Bericht des Innen­mi­nis­ters zum Ent­wick­lungs­stand des Bundes-Trojaners ein­for­dern. Denn Innen­mi­nis­ter Schäu­ble habe »heim­li­che Online-Durchsuchungen als gehei­mes Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung behan­delt und die Ent­wick­lung am Par­la­ment vor­bei in Gang gesetzt«, sagt Piltz. Damit stehe er in der »Tra­di­tion von Otto Schily«.

Zum ande­ren kri­ti­sie­ren Frank Rosen­gart vom (Chaos Com­pu­ter Club) und Andreas Pfitz­mann (TU Dres­den) die Ver­schleie­rungs­tak­tik von BKA und Innenministerium:

Seine Orga­ni­sa­tion, sonst einer der schärfs­ten Kri­ti­ker man­geln­den tech­ni­schen Ver­ständ­nis­ses bei Behör­den, könne »dem BKA so viel tech­ni­sches Unwis­sen nicht abneh­men«. Rosen­garts Fazit: »Hier wird mit hane­bü­che­nen Äuße­run­gen abge­lenkt, her­un­ter­ge­spielt und ver­schlei­ert.« Solch ein Ver­hal­ten erscheint auch Andreas Pfitz­mann plau­si­bel, der schon als Experte in Bun­des­tags­aus­schüs­sen gespro­chen hat. Ihn über­rascht die geringe fach­li­che Qua­li­tät der Minis­te­ri­ums­schrei­ben nicht. Pfitz­mann zu SPIEGEL ONLINE: »Ich habe im März und Mai den BKA–Prä­si­den­ten Ziercke zum Bundes-Trojaner spre­chen hören. Die Aus­sa­gen waren unplau­si­bel, unin­for­miert und realitätsfern.«