Eigent­lich sind Poli­tik und Mathe­ma­tik nicht auf den ers­ten Blick zusam­men­zu­brin­gen. Warum die Stim­men­ver­tei­lung im Rat der Euro­päi­schen Union durch das von Polen ver­tre­tene Quadratwurzel-Verfahren gerech­ter wird, argu­men­tiert der Bochu­mer Mathe­ma­tik­pro­fes­sor Wer­ner Kisch leicht nach­voll­zieh­bar beim ZDF–Mor­gen­ma­ga­zin:

So reprä­sen­tiert die Mei­nung einer Regie­rung nicht not­wen­di­ger­weise die Mei­nung ihrer gesam­ten Bevöl­ke­rung, da die Regie­run­gen auch über mini­male Mehr­hei­ten ver­fü­gen kön­nen. Die Stim­men eines Lan­des müs­sen jedoch en bloc abge­ge­ben wer­den. Das Quadratwurzel-Verfahren könnte hier, so Kirsch, Abhilfe schaffen.

Das Qua­drat­wur­zel­ver­fah­ren ist nicht nur das theo­re­tisch beste, es würde auch einen guten Kom­pro­miss dar­stel­len zwi­schen dem für Deutsch­land unbe­frie­di­gen­den Nizza-Verfahren (jetzt gül­tig) und dem für Polen und 15 andere Län­der nach­tei­li­gem Ver­fah­ren aus dem Verfassungsentwurf.

Übri­gens gibt es ein viel ein­fa­che­res Ver­fah­ren und ein bes­se­res dazu: Man könnte den Rat abschaf­fen und ein in glei­cher Wahl gewähl­tes Par­la­ment alleine ent­schei­den las­sen. Das wäre wesent­lich demo­kra­ti­scher, auf abseh­bare Zeit aber lei­der wohl nicht durchzusetzen.

Wie­der ein­mal ein Argu­ment für eine aus­gie­bige Ana­lyse bevor gere­det wird. Aber in der Poi­li­tik gilt halt immer noch »Talk first!« Leider.

 
 

Cars­ten hat mich gerade per E-Mail auf eine sehr inter­es­sante Online-Petiton hin­ge­wie­sen: Ein Sitz für das euro­päi­sche Par­la­ment (und zwar in Brüs­sel) reicht! Der Wan­der­zir­kus zwi­schen Brüs­sel und Straß­burg (das ja durch­aus sei­nen Reiz hat) kos­tet Unmen­gen an Geld. Initiert wurde diese Peti­tion von der schwe­di­schen EU-Parlamentarierin Ceci­lia Malm­ström. Also nix wie hin und unterschreiben!

 

 
 
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