Ich bin ein Libe­ra­ler. Keine Par­tei steht mir vom Grund­ge­dan­ken so nah, wie die FDP. Ich hab in dem Ver­ein mit­ge­mischt. Ich war Kreis­vor­sit­zen­der der Jun­gen Libe­ra­len im Ober­ber­gi­schen. Aber wie sich die FDP — oder bes­ser gesagt deren (Noch-) Bun­des­vor­sit­zen­der und Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter — gerade posi­tio­niert, geht abso­lut gar nicht.

Die FDP ist gerade dabei, wie­der zur Par­tei der Bes­ser­ver­die­nen­den zu wer­den. Ein Image gegen dass ich lange ange­ar­bei­tet habe und das so nicht ganz zutrifft. Johan­nes Vogel, bis vor Kur­zem Bun­des­vor­sit­zen­der der Julis und — wäh­rend mei­ner Amts­zeit im Ober­ber­gi­schen — Kreis­vor­sit­zen­der der Julis im Rheinisch-Bergischen Kreis, hagt letz­tes Wochen­ende bei West­pol einen sehr tol­len Satz gesagt: »Wir sind die Par­tei der Frei­heit, nicht der Frei­be­träge.« Ein Satz den ich einem Guido Wes­ter­welle oder einem Rai­ner Brü­derle nie­mals zutrauen würde.

Sicher ist Wirt­schafts­kom­pe­tenz wich­tig, aber zur Wirt­schafts­kom­pe­tenz gehört auch einen sozia­len Aus­gleich zu schaf­fen. Nicht dass wir uns falsch ver­ste­hen, ich will keine Umver­tei­lung von oben nach unten. Und ja wir müs­sen spa­ren. Aber warum spa­ren wir nicht dort wo es weni­ger weh tut als beim Kin­der­geld für Hartz IV Emp­fän­ger? Ich ver­steh lei­der zu wenig von Wirt­schafts– und Steu­er­po­li­tik, dass ich hier einen ver­nünf­ti­gen Vor­schlag machen könnte, aber nehmt lie­ber erst­mal mir etwas weg, bevor ihr ans Kin­der­geld geht.

Die Wei­ge­rung der FDP, in Rich­tung einer Ampel­ko­ali­tion zu gehen und nur mit der CDU reden zu wol­len, stört mich gewal­tig. Diese Ver­wei­ge­rungs­hal­tung zur gemein­sa­men Gestal­tung mit SPD und Grü­nen geht gar nicht. Dadurch würde die große Koali­tion und damit die schlech­teste aller Alter­na­ti­ven zur ein­zig ver­blei­ben­den Mög­lich­keit. Ich per­sön­lich sehe ja schon immer mehr Schnitt­men­gen zwi­schen FDP und Grü­nen als mit der CDU. Aber immer­hin hat der NRW Lan­des­vor­sit­zende Andreas Pink­wart jetzt doch Son­die­rungs­ge­sprä­che mit Roten und Grü­nen — vor allem gegen Ger­hard Papke — durchgesetzt.

Auch die vor­schnelle Fest­le­gung auf Chris­tian Wulff als neuem Bun­des­prä­si­den­ten miss­fällt mir deut­lich. Die Kanz­le­rin hat Füh­rungs­stärke bewie­sen, hat gezeigt das auch Wes­ter­welle ihr nicht gewach­sen ist und einen CDU–Sol­da­ten als Kan­di­da­ten durch­ge­setzt. Joa­chim Gauck wäre — vor allem auf­grund sei­ner bei der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung der DDR geleis­te­ten Arbeit — der weit­aus bes­sere Prä­si­dent. Hier macht mir beson­ders große Hoff­nung, dass auch einige der ost­deut­schen Lan­des­ver­bände der FDP sich eher für Gauck posi­tio­nie­ren. Naja, und recht lus­tig finde ich auch, dass einige der Admi­nis­tra­to­ren der Face­book Gruppe Joa­chim Gauck als Bun­des­prä­si­dent aus dem Umfeld der Julis stammen.

Nicht das die FDP keine guten Leute hat, sie ste­hen nur lei­der noch hin­ter der »Licht­ge­stalt« Guido Wes­ter­welle in der zwei­ten Reihe. Ein Par­tei­vor­sit­zen­der Chris­tian Lind­ner oder Phil­ipp Rös­ler kön­nen der Par­tei nur gut tun. Und natür­lich wäre Johan­nes ein guter Nach­fol­ger für Chris­tian als Generalsekretär.

Unter Wes­ter­welle hat sich die FDP zum Wurm­fort­satz der Union ent­wi­ckelt. Aber sie kann mehr. Sie muss mehr können.