Heri­bert Prantl, von mir hoch­ge­schätzt, wenn er sich zu Bür­ger­rech­ten äußert, hat in sei­ner Keynote Fest­rede zum 50jährigen Beste­hen der VG Wort völ­lig dane­ben gegrif­fen. Mal wie­der wurde über »die glo­bale Ent­eig­nungs­ma­schi­ne­rie Inter­net« und »Tausch­bör­sen als Umsatz­plät­zen digi­ta­ler Pira­te­rie­ware« lamen­tiert. Natür­lich wurde aber kein Gedanke daran ver­schwen­det jen­seits von pla­ka­ti­ven Hor­ror­sze­na­rien auf­zu­zei­gen, wel­che Chan­cen sich durch gesell­schafts– und medi­en­ad­äquate neue Geschäfts­mo­delle auf Basis freier Lizen­zen rea­li­sie­ren lassen.

Natürl­lich feh­len auch immer noch Modelle, wie ich legal zu ver­nünf­ti­gen Prei­sen Medien erwer­ben kann. Aber Prantls Geze­ter, und das ande­rer, hilft nicht dabei wei­ter, die Krea­ti­v­in­dus­trie wei­ter­zu­brin­gen.

Die­ses Ver­hal­ten präge das Bewusst­sein des gesam­ten Inter­net, fand Prantl zum Thema zurück. »Es wird zu einem Raum, in dem man alles macht, was man sonst nicht macht.« Die »unend­li­che leichte Ver­füg­bar­keit« von Bits und Bytes gebe vie­len das Gefühl: »Hier ist die All­mende des 21. Jahr­hun­derts.« So wür­den »Mil­lio­nen Töne und Texte«, die urhe­ber­recht­lich geschützt seien, ohne Zah­lung von Gebüh­ren genutzt. Habe das Urhe­ber­recht frü­her eine »Mauer aus Para­gra­phen« gebil­det, wel­che die geis­tige Leis­tung der Krea­ti­ven geschützt habe, regiere nun »die glo­bale Ent­eig­nungs­ma­schi­ne­rie Inter­net« mit ihren »Tausch­bör­sen als Umsatz­plät­zen digi­ta­ler Pira­te­rie­ware« und ein »wie­der ein­ge­führ­ter Kom­mu­nis­mus«. Die Masse der Urhe­ber schaue so »mit dem Ofen­rohr ins Gebirge«, wäh­rend es bis­her nur den »Befrie­di­gern sexu­el­ler Bedürf­nisse gelun­gen« sei, einen Obo­lus zu kassieren.

 
 
18. Mrz. 2008

Keine E-Mail im Posteingang

Nach­dem ich heute mor­gen bei faz​job​.net einen Arti­kel zum Thema E-Mails im Berufs­all­tag gele­sen hatte, habe ich mal mei­nen Post­ein­gang auf­gräumt und meine E-Mails abge­legt oder gelöscht. Das Resul­tat: Keine Mail im Post­ein­gang. Das fühlt sich gut an.

 
 

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Letzte Woche habe habe ich eine pri­vate Nach­richt von LAST.HQ erhalten:

You might alre­ady know about the big announ­ce­ment we made yes­ter­day — we’ve added the abi­lity to play mil­li­ons of full-length tracks for free on Last​.fm.

You can read all about it here:

blog​.last​.fm/​2​0​0​8​/​0​1​/​2​3​/​f​r​e​e​-​t​h​e​-​m​u​sic

Ein ech­tes Kil­ler­fea­ture, dass die Jungs aus Lon­don da auf den Markt wer­den. Und es ist sogar in der kos­ten­lo­sen Ver­sion verfügbar.

 
 

Die Frank­fur­ter Rund­schau und heise berich­ten von »Mani­pu­la­tio­nen« an dem Wikipedia-Eintrag über den hes­si­schen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Grü­nen Tarek Al-Wazir, die aus der hes­si­schen CDU–Par­tei­zen­trale erfolgt sind.

Es wäre noch schö­ner, wenn dort jemand etwas davon gewusst hätte. Das jemand etwas von den Ände­run­gen mit­be­kom­men hat ist auch total unwahr­schein­lich. Ein Prak­ti­kant kann ja immer schal­ten und wal­ten wie er will. Er bekommt auch keine Auf­ga­ben zuge­teilt. Nie­mals. Und wer könnte über­haupt ein Inter­esse an der Ände­rung gehabt haben? Es war wohl ein Bau­ern­op­fer nötig. Und was frü­her Bau­ern waren sind heute Praktikanten.

Fol­gen­der Absatz wurde geän­dert (und inzwi­schen wie­der­her­ge­stellt):

Am 31. August 2000 kam es zu einem Eklat im Land­tag, als der CDU–Abge­ord­nete Cle­mens Reif wäh­rend einer Rede Al-Wazirs, des­sen Vater aus dem Jemen stammt, einen Zwi­schen­ruf machte, der von vie­len Anwe­sen­den als „Geh zurück nach Sana’a“ ver­stan­den wurde. Reif sagte, er habe „Ein Stu­dent aus Sana’a“ gerufen.

Statt­des­sen wurde ange­ge­ben:

Am 31. August 2000 kam es zu einem Eklat im Land­tag, als der CDU–Abge­ord­nete Cle­mens Reif wäh­rend einer Rede Al-Wazirs (des­sen Vater aus dem Jemen stammt) einen Zwi­schen­ruf machte, der von eini­gen Abge­ord­ne­ten als »Geh zurück nach Sana’a« ver­stan­den wurde. Reif hatte aber »Ein Stu­dent aus Sana’a« gerufen.

Wie man mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen gut umgeht, zeigt mei­nes Erach­tens die recht neu­tral gehal­tene erste Ver­sion. Diese Ver­sion lässt, im Gegen­satz zur CDU–Ver­sion, beide Mög­lich­kei­ten der Inter­pre­ta­tion offen.

Dumm nur, dass die Wiki­pe­dia Ände­run­gen mit­loggt. Und dumm, dass die CDU Par­tei­zen­trale in Hes­sen einen ein­deu­ti­gen IP–Adress­raum hat. Sonst wäre die Ände­run­gen wohl nie so hoch­ge­kocht. Was halt schon mit ein­fa­chen Mög­lich­kei­ten geht. Schlim­mer als die Ände­run­gen an sich finde ich nur, dass nie­mand öffent­lich dazu steht und alles mal wie­der unter den Tep­pich gekehrt wer­den soll. Und dumm, dass man sich nicht mit den Medien beschäf­tigt, die man nutzt.

 

 
 
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