8. Jun. 2010

Ich bin ein Libe­ra­ler. Keine Par­tei steht mir vom Grund­ge­dan­ken so nah, wie die FDP. Ich hab in dem Ver­ein mit­ge­mischt. Ich war Kreis­vor­sit­zen­der der Jun­gen Libe­ra­len im Ober­ber­gi­schen. Aber wie sich die FDP — oder bes­ser gesagt deren (Noch-) Bun­des­vor­sit­zen­der und Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter — gerade posi­tio­niert, geht abso­lut gar nicht.

Die FDP ist gerade dabei, wie­der zur Par­tei der Bes­ser­ver­die­nen­den zu wer­den. Ein Image gegen dass ich lange ange­ar­bei­tet habe und das so nicht ganz zutrifft. Johan­nes Vogel, bis vor Kur­zem Bun­des­vor­sit­zen­der der Julis und — wäh­rend mei­ner Amts­zeit im Ober­ber­gi­schen — Kreis­vor­sit­zen­der der Julis im Rheinisch-Bergischen Kreis, hagt letz­tes Wochen­ende bei West­pol einen sehr tol­len Satz gesagt: »Wir sind die Par­tei der Frei­heit, nicht der Frei­be­träge.« Ein Satz den ich einem Guido Wes­ter­welle oder einem Rai­ner Brü­derle nie­mals zutrauen würde.

Sicher ist Wirt­schafts­kom­pe­tenz wich­tig, aber zur Wirt­schafts­kom­pe­tenz gehört auch einen sozia­len Aus­gleich zu schaf­fen. Nicht dass wir uns falsch ver­ste­hen, ich will keine Umver­tei­lung von oben nach unten. Und ja wir müs­sen spa­ren. Aber warum spa­ren wir nicht dort wo es weni­ger weh tut als beim Kin­der­geld für Hartz IV Emp­fän­ger? Ich ver­steh lei­der zu wenig von Wirt­schafts– und Steu­er­po­li­tik, dass ich hier einen ver­nünf­ti­gen Vor­schlag machen könnte, aber nehmt lie­ber erst­mal mir etwas weg, bevor ihr ans Kin­der­geld geht.

Die Wei­ge­rung der FDP, in Rich­tung einer Ampel­ko­ali­tion zu gehen und nur mit der CDU reden zu wol­len, stört mich gewal­tig. Diese Ver­wei­ge­rungs­hal­tung zur gemein­sa­men Gestal­tung mit SPD und Grü­nen geht gar nicht. Dadurch würde die große Koali­tion und damit die schlech­teste aller Alter­na­ti­ven zur ein­zig ver­blei­ben­den Mög­lich­keit. Ich per­sön­lich sehe ja schon immer mehr Schnitt­men­gen zwi­schen FDP und Grü­nen als mit der CDU. Aber immer­hin hat der NRW Lan­des­vor­sit­zende Andreas Pink­wart jetzt doch Son­die­rungs­ge­sprä­che mit Roten und Grü­nen — vor allem gegen Ger­hard Papke — durchgesetzt.

Auch die vor­schnelle Fest­le­gung auf Chris­tian Wulff als neuem Bun­des­prä­si­den­ten miss­fällt mir deut­lich. Die Kanz­le­rin hat Füh­rungs­stärke bewie­sen, hat gezeigt das auch Wes­ter­welle ihr nicht gewach­sen ist und einen CDU–Sol­da­ten als Kan­di­da­ten durch­ge­setzt. Joa­chim Gauck wäre — vor allem auf­grund sei­ner bei der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung der DDR geleis­te­ten Arbeit — der weit­aus bes­sere Prä­si­dent. Hier macht mir beson­ders große Hoff­nung, dass auch einige der ost­deut­schen Lan­des­ver­bände der FDP sich eher für Gauck posi­tio­nie­ren. Naja, und recht lus­tig finde ich auch, dass einige der Admi­nis­tra­to­ren der Face­book Gruppe Joa­chim Gauck als Bun­des­prä­si­dent aus dem Umfeld der Julis stammen.

Nicht das die FDP keine guten Leute hat, sie ste­hen nur lei­der noch hin­ter der »Licht­ge­stalt« Guido Wes­ter­welle in der zwei­ten Reihe. Ein Par­tei­vor­sit­zen­der Chris­tian Lind­ner oder Phil­ipp Rös­ler kön­nen der Par­tei nur gut tun. Und natür­lich wäre Johan­nes ein guter Nach­fol­ger für Chris­tian als Generalsekretär.

Unter Wes­ter­welle hat sich die FDP zum Wurm­fort­satz der Union ent­wi­ckelt. Aber sie kann mehr. Sie muss mehr können.

 
 

Der Ener­gie­ver­sor­ger Ent­ega hat eine sehr schöne Aktion gegen den Kli­ma­wan­del gestar­tet. Nächs­tes Wochen­ende fin­det auf dem Ber­li­ner Schloss­platz eine Schneemann-Demo mit Rah­men­pro­gramm statt. Hört sich sehr inter­es­sant an.

via @enie_lepeuc

 
 
2. Sep. 2009

Ich habe eine sehr aus­führ­li­che und infor­ma­tive Stel­lung­nahme vom Wahl­amt der Stadt Köln zu mei­nem Blog­bei­trag über die mei­ner Mei­nung nach unzu­rei­chende Iden­ti­täts­prü­fung bei der Kom­mu­nal­wahl erhal­ten. Hier­für einen herz­li­chen Dank.

Nach Auf­fas­sung der Stadt Köln stellt sich die Rechts­lage stellt sich wie folgt dar:

Bevor der Stimm­zet­tel in die Wahl­urne gewor­fen wird, wird die Iden­ti­tät der Wäh­le­rin bzw. des Wäh­lers durch den Wahl­vor­stand über­prüft und fest­ge­stellt. Der Wahl­vor­stand kann einen Aus­weis ver­lan­gen, grund­sätz­lich reicht aber die Vor­lage der Wahl­be­nach­rich­ti­gung und ein Abgleich mit dem Wäh­ler­ver­zeich­nis aus. Soll­ten Zwei­fel bezüg­lich der Iden­ti­tät eines Wäh­lers beste­hen, z.B. wenn er keine Wahl­be­nach­rich­ti­gung dabei hat, so darf er trotz­dem nicht zurück­ge­wie­sen wer­den. Dann kann und soll der Wahl­vor­stand aber die Vor­lage eines Aus­weis­do­ku­men­tes ver­lan­gen. Wenn die Zwei­fel an der Iden­ti­tät der Wäh­le­rin bzw. des Wäh­lers auf diese Weise nicht aus­ge­räumt wer­den kön­nen, so muss der Wahl­vor­stand den Wäh­ler nach Beschluss zurückzuweisen.

Der Wahl­vor­stand muss sich also nicht von jedem Wäh­ler — ohne kon­kre­ten Anlass — einen Aus­weis vor­le­gen las­sen. Wenn der Wahl­vor­stand es for­dert, muss sich die­ser jedoch aus­wei­sen (vgl. § 40 Abs. 1 der Kommunalwahlordnung).

Der Gesetz­ge­ber hat, vor allem um den Ablauf der Wahl flüs­si­ger gestall­ten zu kön­nen, diese ver­ein­fachte Iden­ti­täts­prü­fung expli­zit so vorgesehen.

Die von mir bemän­gel­ten Abläufe ent­spre­chen dem­nach den Bestim­mun­gen. Obwohl dem­nach die Rechts­lage sehr klar ist, bin ich mit die­ser nicht wirk­lich glück­lich und würde mir sehr eine Ände­rung der ent­spre­chen­den Gesetze wün­schen. Die Gefah­ren, die ich in die­ser Her­an­ge­hens­weise sehe, sind des­halb mei­nes Erach­tens nicht aus­ge­räumt. Da sind dann aller­dings andere Pro­zesse notwendig.

Ins­be­son­dere der »Zwei­fel bezüg­lich der Iden­ti­tät« lässt natür­lich ein gros­sen Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum zu. Mei­nes Erach­tens nach besteht die­ser Zwei­fel in dem Moment, wo ich jeman­den nicht per­sön­lich kenne. Aber wie gesagt, der Inter­pre­ta­tion die­ses Sat­zes sind kaum Gren­zen gesetzt.

 
 
30. Aug. 2009

Heute waren Kom­mu­nal­wah­len in Nordrhein-Westfalen.

Wie es sich gehört, war ich um 10:40 im Wahl­be­zirk 22 — Ehren­feld I, Neu­eh­ren­feld I (40104) wäh­len. Zu mei­nem gros­sen Erstau­nen wurde ich weder nach mei­nem Per­so­nal­aus­weis gefragt, noch wurde meine Iden­ti­tät in irgend­ei­ner Weise sicher fest­ge­stellt. Mei­nen Per­so­nal­aus­weis hatte ich sogar schon, wie auf der Wahl­be­nach­rich­ti­gung beschrie­ben, in der Hand. Vor mir hat ein Pär­chen (etwa 35 Jahre) gewählt. Auch diese bei­den wur­den nicht nach einem Iden­ti­täts­nach­weis gefragt. Aus dem Wahl­vor­stand war mir auch nie­mand per­sön­lich bekannt. Ein­zig meine Wahl­be­nach­rich­ti­gung wurde ein­be­hal­ten. Nach mir war eine kür­zere Zeit lang nie­mand der wäh­len wollte. Folg­lich wäre auch Zeit­druck kein prag­ma­ti­sches Argument.

Jeder, der — wie auch immer — Zugriff auf meine Wahl­be­nach­rich­ti­gung gehabt hätte, hätte also pro­blem­los meine Stimme abge­ben kön­nen. Hätte also jemand die Wahl­be­nach­rich­ti­gung gehabt und wäre vor mir wäh­len gegan­gen, hätte ich also keine Mög­lich­keit gehabt, meine Stimme abzugeben.

Mein Bru­der hat mir eben berich­tet, dass er in Köln-Nippes bei der Euro­pa­wahl 2009 auch nicht nach sei­nem Per­so­nal­aus­weis gefragt wurde. Im Gegen­teil wurde ihm sogar gesagt, dass der dor­tige Wahl­vor­stand den Per­so­nal­aus­weis nicht benö­tige. Anschlies­send habe ich in mei­nem Freun­des­kreis her­um­ge­fragt und kei­ner wurde nach sei­nem Aus­weis gefragt (Ehren­feld I, Neu­eh­ren­feld I — 40111, Humboldt/Gremberg I, Kalk — 80206). Diese Umfrage ist natür­lich in kei­ner Weise reprä­sen­ta­tiv, es zeigt aber lei­der, dass mein Wahl­lo­kal kein Ein­zel­fall wahr.

Somit stelle ich mir die Frage, wie viele der abge­ge­be­nen Stim­men tat­säch­lich von den ent­spre­chen­den Wäh­lern abge­ge­ben wor­den. Mei­nes Erach­tens ent­spricht ein sol­ches Vor­ge­hen nicht einer demo­kra­ti­schen Wahl. Vor allem in Zei­ten von Über­wa­chungs­wahn, bio­me­tri­schen Päs­sen, Zen­sur etc. ist diese Her­an­ge­hens­weise mehr als fragwürdig.

Auch wenn man in der heu­ti­gen Zeit froh um jeden Wäh­ler sein kann, der sein demo­kra­ti­sches Recht wahr­nimmt, sollte man ein Min­dest­mass an Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit wah­ren. Wir kri­ti­sie­ren (zurecht!) Wahl­ma­ni­pu­la­tio­nen im Iran oder in Afrika, sind aber selbst nicht in der Lage, zu gewähr­leis­ten, dass jeder nur ein­mal seine Stimme abgibt. Ich möchte hier aus­drück­lich nicht unter­stel­len, dass es Unre­gel­mäs­sig­kei­ten bei der Kom­mu­nal­wahl in Köln gege­ben hat, mit sol­chen Metho­den dem Feh­len von ech­ter Iden­ti­fi­ka­tion der Wäh­ler sind aber auch hier Mani­pu­la­tio­nen Tür und Tor geöffnet.

Update: Bei einer Blitz­um­frage unter den WDR Nets­couts wurde fest­ge­stellt, dass auch dort von nie­man­dem der Per­so­nal­aus­weis ver­langt wurde.

Update 2: Ich habe eine Stel­lung­nahme des Wahl­am­tes der Stadt Köln erhal­ten. Dem­nach reicht laut Kom­mu­nal­wahl­ord­nung die Wahl­be­nach­rich­ti­gung und der Ein­trag ins Wäh­ler­ver­zeich­nis aus.

 

 
 
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