Via netz­po­li­tik ist heute ein schö­ner Film zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung rein­ge­kom­men. Wie nötig Pro­test gegen die Mache­schaf­ten aus Ber­lin sind zei­gen auch die Äuße­run­gen von Schäu­ble und Jung vom Wochende. Die Bun­des­an­walt­schaft steht da natür­lich nicht zurück. Ich bekomm lang­sam Angst, nicht vor Ter­ro­ris­ten son­dern vor unse­rer Regierung.

 
 
6. Sep. 2007

Wie sich die Geschichte wie­der­holt. 1966 gab es schon ein­mal eine große Koali­tion. Und dann auch schon bald eine Außer­par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­tion. So etwas, würde ich behaup­ten, ent­wi­ckelt sich gerade wie­der. Ende der sech­zi­ger Jahre hat unsere Eltern­gen­ra­tion für Frei­heit gekämpft. Jetzt ist es an uns, diese Frei­heit zu ver­tei­di­gen. Zu ver­tei­di­gen gegen Ter­ro­ris­ten, wie sie in den letz­ten Tagen im Süden der Repu­blik fest­ge­nom­men wur­den. Aber auch ver­tei­di­gen gegen die Schäu­bles und Beck­steins, die unsere Frei­heit zu Guns­ten von Sicher­heit auf­he­ben wol­len.

Selbst der christliche-konservative Rhei­ni­sche Mer­kur geht zur Zeit auf Dis­tanz zu den Ber­li­ner und Münch­ner Top-Spionen:

In einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie sind nicht nur die Gedan­ken frei. Mit dem Recht auf infor­ma­tio­nelle Selbst­be­stim­mung sei „eine Gesell­schafts­ord­nung und eine diese ermög­li­chende Rechts­ord­nung nicht ver­ein­bar, in der Bür­ger nicht mehr wis­sen kön­nen, wer was wann und bei wel­cher Gele­gen­heit über sie weiß“, heißt es im Volks­zäh­lungs­ur­teil des Verfassungsgerichts.

Als Hüter von Grund­rech­ten hat Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­ble viel Ver­trauen ver­spielt. Durch seine pro­vo­ka­ti­ven Gedan­ken­spiele, wel­che Grau­sam­kei­ten noch nötig wer­den könn­ten – gezielte Erschie­ßung von Ter­ro­ris­ten, Rela­ti­vie­rung der Unschulds­ver­mu­tung – hat er Miss­trauen auch gegen Geset­zes­vor­schläge geweckt, deren Für und Wider zur Ter­ror­be­kämp­fung man ansons­ten treff­lich dis­ku­tie­ren könnte. Sein Vor­stoß zu einer Locke­rung des Waf­fen­rechts folgte dem glei­chen Muster:erst der Schock­ef­fekt, dann eine über­aus dürf­tige Erklä­rung dafür, schließ­lich der Rückzug.

Die neue APO for­miert sich. Dies­mal mit ande­ren Mit­teln als damals. Aber sie for­miert sich.

 
 

Wie Mar­kus auf netz​po​li​tik​.org berich­tet, hat der Chaos Com­pu­ter Club den Ent­wurf des BKA–Geset­zes veröffentlicht.

In der Pres­se­mit­tei­lung wird das Neue BKA als Geheim­po­li­zei bezeichnet.

Wenn das BKA–Gesetz in der vor­lie­gen­den Fas­sung ver­ab­schie­det wird, ent­steht de facto eine Geheim­po­li­zei, wie sie in Deutsch­land zuletzt in der DDR exis­tierte. Ange­sichts der sich häu­fen­den Berichte über pri­va­ten und behörd­li­chen Miß­brauch von Über­wa­chungs­be­fug­nis­sen warnt der Chaos Com­pu­ter Club davor, dem Gesetz auch nur teil­weise zuzu­stim­men. Das Tren­nungs­ge­bot von Poli­zei und Geheim­diens­ten darf nicht wei­ter aus­ge­höhlt werden.

Jetzt braucht das Kind noch einen Namen. »Geheime Staats­po­li­zei« und »Staats­si­cher­heit« hat­ten wir ja schon mal, die Begriffe sind ver­braucht. »Stasi 2.0″ ist ein schö­nes Schlag­wort kann aber nicht als ech­ter Name herhalten.

Hier ein paar Vor­schläge für den Namen der neuen Organisation:

  • Hei­mat­si­che­rungs­amt
  • Bun­des­über­wa­chungs­amt
  • Bun­des­po­li­zei­li­cher Nachrichtendienst
 
 

Da sind mir doch ges­tern und vor­ges­tern zwei Spiegel-Artikel zum Bun­destro­ja­ner durch die Lap­pen gegangen:

Der eine beschäf­tigt sich mit den Ein­falls­to­ren für Kri­mi­nelle, die der Bun­destro­ja­ner auf den Ziel­sys­te­men weit wie Scheu­nen­tore öffnen würde. Und das in Zei­ten, in denen eher zu wenige Updates gemacht wer­den als nötig.

In dem ande­ren geht es um die tech­ni­sche Umsetz­tung des Tro­ja­ners.

Zum einen kri­ti­siert Gisela Piltz (FDP):

»Ent­we­der hat die Bun­des­re­gie­rung das Par­la­ment bewusst unvoll­stän­dig infor­miert, oder es wurde trotz Ent­wick­lungs­stopps heim­lich an der Umset­zung der Online-Durchsuchungen wei­ter­ge­ar­bei­tet.« Die FDP–Bun­des­tags­frak­tion will nun erneut einen Bericht des Innen­mi­nis­ters zum Ent­wick­lungs­stand des Bundes-Trojaners ein­for­dern. Denn Innen­mi­nis­ter Schäu­ble habe »heim­li­che Online-Durchsuchungen als gehei­mes Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung behan­delt und die Ent­wick­lung am Par­la­ment vor­bei in Gang gesetzt«, sagt Piltz. Damit stehe er in der »Tra­di­tion von Otto Schily«.

Zum ande­ren kri­ti­sie­ren Frank Rosen­gart vom (Chaos Com­pu­ter Club) und Andreas Pfitz­mann (TU Dres­den) die Ver­schleie­rungs­tak­tik von BKA und Innenministerium:

Seine Orga­ni­sa­tion, sonst einer der schärfs­ten Kri­ti­ker man­geln­den tech­ni­schen Ver­ständ­nis­ses bei Behör­den, könne »dem BKA so viel tech­ni­sches Unwis­sen nicht abneh­men«. Rosen­garts Fazit: »Hier wird mit hane­bü­che­nen Äuße­run­gen abge­lenkt, her­un­ter­ge­spielt und ver­schlei­ert.« Solch ein Ver­hal­ten erscheint auch Andreas Pfitz­mann plau­si­bel, der schon als Experte in Bun­des­tags­aus­schüs­sen gespro­chen hat. Ihn über­rascht die geringe fach­li­che Qua­li­tät der Minis­te­ri­ums­schrei­ben nicht. Pfitz­mann zu SPIEGEL ONLINE: »Ich habe im März und Mai den BKA–Prä­si­den­ten Ziercke zum Bundes-Trojaner spre­chen hören. Die Aus­sa­gen waren unplau­si­bel, unin­for­miert und realitätsfern.«

 

 
 
 
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