Es macht immer wie­der Spaß diese bei­den Videos zu sehen. Ich find’s immer wie­der schön wie sich vor ein paar Jah­ren noch mit dem Thema Intol­ler­anz krea­tiv und auf einer brei­ten Basis aus­ein­an­der gesetzt wurde. Heute ist das rechte Gedan­ken­gut ja lei­der eher in der Mitte ange­kom­men. Mal sehen was sich da dem­nächst machen lässt. Aber jetzt die Positivbeispiele.

 
 

Ich liebe meine Hei­mat. Ich liebe mein Wiehl. Ich liebe mein Köln. Ich liebe mein Bonn. Ich liebe mein Rhein­land. Ich liebe meine Her­kunft. Ich liebe meine Freunde. Ich liebe meine Eltern. Ich liebe meine alte Schule. Und ich liebe es mich fle­xi­bel zu zei­gen. Fle­xi­bel heißt nicht belie­big aber eben auch nicht starr alles so zu machen wie bisher.

Ich liebe die Ein­flüsse, die mein Leben aus der Hei­mat ande­rer bekom­men hat. Ich liebe Fala­fel. Ich liebe fran­zö­si­chen Hip-Hop. Ich liebe spa­ni­schen Ska. Ich liebe däni­sche Filme. Ich liebe Pizza. Ich liebe tsche­chi­sches Bier. Ich liebe hol­län­di­sche Frit­ten am Strand. Ich liebe den bri­ti­schen Akzent, am meis­ten sogar den nord­eng­li­schen. Ich liebe iri­schen Whis­key. Ich liebe por­tu­gie­si­sche Strände.

Ich liebe meine Freunde, hier und dort und über­all. Vor allem liebe ich diese Welt und ihre Viel­falt, ihre Frei­heit, ihte Unbeschwertheit.

Mit einer fes­ten Basis, mit einer kla­ren Hei­mat in die ich immer zurück kann, lässt sich viel ent­de­cken. Mann muss nur über den Tel­lerand schauen. Das Fremde zulas­sen. Sich daran freuen. Offen sein und nicht beschränkt.

Und vor allem Zivil­cou­rage zei­gen. Die Intol­ler­anz bekämp­fen. Sich gegen Ein­schrän­kun­gen wären. Dinge beim Namen nen­nen. Für die Frei­heit streiten.

 
 

Keine gro­ßen Auf­schreie, Busi­ness as usual, Stand­ort­nach­teil und so wei­ter. Es scheint, als ob wir wie­der von vorne anfan­gen müs­sen. Alle Arbeit umsonst. Naja hof­fent­lich nicht! Viel­leicht ist ja noch was zu machen. Bestimmt!

Nina Hein­rich hat auf jetzt​.de einen recht auf­rüt­teln­den Arti­kel geschrieben:

Es gab ein­mal eine Zeit, da stellte sich die Welt in Deutsch­land anders dar. Nach Brand­an­schlä­gen auf Ayl­be­wer­ber­heime, nach den Pogrom­näch­ten mit Hetz­jag­den auf Aus­län­der war das Erschre­cken so groß, dass sich zehn­tau­sende Deut­sche in Licht­er­ket­ten ein­reih­ten. Die Bun­de­re­gie­rung schüt­tete Geld aus für Sozi­al­ar­bei­ter. Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der rief im Jahr 2000 den »Auf­stand der Anstän­di­gen« aus. Allent­hal­ben wur­den Netz­werke gegen Rechts gegrün­det. Es keimte die Hoff­nung auf, dass alles eines Tage wie­der gut wer­den würde — sie ist zer­sto­ben. Man kann es nicht beschö­ni­gen: Der Rechts­ra­di­ka­lis­mus ist in der Mitte der Gesell­schaft ange­kom­men. Er ist All­tag gewor­den, zumin­dest in eini­gen Regio­nen im Osten Deutschlands.

Das darf aber defi­ni­tiv nicht so blei­ben. Es muss etwas getan wer­den. Mal wie­der. The same procedure…

OK, ich fass mir erst­mal an die eigene Nase. Ich hab letz­tes Jahr bei »laut wer­den« auf­ge­hört. Vor allem aus Zeit­grün­den, aber auch weil ich mal was anders machen wollte und ein neues Thema beackern. Und weil ich dachte, wir sind auf einem guten Weg. Lei­der stimmte diese Annahme nicht wirk­lich. Ein »da muss man doch was machen« erlaube ich mir defi­ni­tiv nicht, wenn müsste ein »da muss ich doch was machen« dar­aus wer­den. Ich weiß nur nicht ob ich es noch ein­mal machen möchte, aber wir wer­den sehen.

So, zum Schluss ein Klei­ner Aus­schnitt aus Gol­den Coun­try von REO Speed­wa­gon (darf gerne als Auf­ruf ver­stan­den werden):

Gol­den coun­try your face is so red
With all of your money your poor can be fed
You strut around and you flirt with disas­ter
Never really carin just what comes after
Well your blacks are dyin but your back is still tur­ned
And your freaks are cryin but your back is still tur­ned
You bet­ter stop your hidin or your coun­try will burn
The time has come for you my fri­end
To all this ugliness we must put an end
Before we leave we must make a stand

 
 

Es war ein­mal in einer Klein­stadt in Sach­sen. In der 4700-Einwohner-Stadt Mügeln wer­den Inder nach einem Dorf­fest gejagt, »Aus­län­der raus« sowie »Hier regiert der natio­nale Wider­stand« skan­diert und der Bür­ger­meis­ter die­ses Kaffs hat nichts Bes­se­res zu tun als das Pro­blem zu leugnen:

Der Bür­ger­meis­ter der 4700-Einwohner-Stadt, Gott­hard Deuse (FDP), sagte sued​deut​sche​.de: »Bei uns gibt es keine rechts­ex­treme Szene.« Wenn der Angriff einen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund habe, müss­ten die Täter aus Nach­bar­or­ten kommen.

Es ist echt zum Kot­zen wie sehr sich die­ses reflex­ar­tige »Damit haben wir nichts zu tun« breit macht. Statt das Pro­blem anzu­pa­cken wird es ein­fach geleug­net. Bloß kein schlech­tes Bild. Mich würde inter­es­sie­ren, wie­viel Staub da unterm Tep­pich liegt. Der Ruf einer Gegend scheint ja auch wich­ti­ger zu sein als die Pro­bleme, oder wie soll man das Lam­men­tie­ren über den »Stand­ort­nach­teil Rechts­ex­tre­mis­mus« sonst deuten?

Wie sehr in die­sem Kaff der Faschis­mus mit­ten in der Gesell­schaft ange­kom­men zu sein scheint wird klar, wenn man sich die bei SpON beschrie­be­nen Reak­tio­nen der »Zivil­ge­sell­schaft« anschaut.

Klar ist: Joh­lend ver­sam­melte sich die wütende Meute vor dem Lokal, drohte mit dem Sturm des Restau­rants, Schei­ben gin­gen zu Bruch, Ein­gangs– und Hin­ter­tür wur­den ein­ge­tre­ten, das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschä­digt. Zahl­rei­che Schau­lus­tige beob­ach­te­ten das bru­tale Treiben.

Ich bin ratlos.

 

 
 
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